Balintgruppe Erlangen – kontinuierliche professionelle Reflexion der Arzt-Patient-Beziehung

Kontinuierliche Balintgruppe Erlangen

Parallel und unabhängig von den Blockseminaren in Bamberg biete ich eine monatliche Balintgruppe am Klinikum am Europakanal in Erlangen an.
Sie umfasst 2 Doppelstunden (2 × 90 Minuten) am Abend und begleitet den beruflichen Alltag kontinuierlich, die Vorgaben der Landesärztekammer Bayern werden erfüllt.

Kosten: pro Termin 90€ (Doppelstunde á 45 €, ermäßigt für WeiterbildungsassistentInnen 80/40 €). Für den Weiterbildungsinhalt Psychosomatische Grundversorgung (PGV) sind insgesamt 8 Termine notwendig, keine Parkgebühr.
Flexibel monatlich buchbar nach Wartelistenanmeldung.

Termine 2026: 12.05., 16.06., 14.07., 29.09., 06.10., 10.11., 15.12.

Zeitraum: Dienstag, 16:30 bis 19:45 monatlich, außerhalb der bayerischen Schulferien, nach Warteliste

Leitung: Dr. Ulrich W. Kastner, Chefarzt

Ort: Erlangen, Klinikum am Europakanal

Balintgruppe Erlangen
Balintgruppe Erlangen

Für die Facharztweiterbildungen Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sind Blockveranstaltungen anerkennungsfähig, wenn sich die gesamte Balintgruppenarbeit über mindestens 12 Monate erstreckt und mindestens 2 Blöcke umfasst. Es dürfen keine dienstlichen oder anderen Beziehungen mit Abhängigkeitscharakter zwischen Leiter und Weiterbildungsteilnehmer bestehen.

Balint formulierte hierfür eine bis heute zentrale These:
„Das wichtigste Medikament für den Patienten ist der Arzt selbst.“
In den 1950er-Jahren entwickelte er in London ein gruppenbasiertes Arbeitsformat, das Ärztinnen und Ärzten helfen sollte, ihre emotionale Beteiligung, implizite Beziehungsmuster und psychodynamische Prozesse im klinischen Alltag besser zu verstehen. Heute sind Balintgruppen fester Bestandteil der ärztlichen Weiterbildung, insbesondere im Rahmen der Psychosomatischen Grundversorgung.

Eine Balintgruppe besteht in der Regel aus acht bis zwölf Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen. Geleitet wird sie von einer hierfür qualifizierten Leitung mit psychotherapeutischem Hintergrund.

Im Mittelpunkt steht der freie Fallbericht:
Ein Gruppenmitglied schildert einen Patientenfall aus der eigenen Praxis, der emotional nachwirkt, irritiert oder innerlich beschäftigt. Der Bericht erfolgt bewusst ohne Akten, Diagnoselisten oder theoretische Vorstrukturierung.

Im anschließenden Gruppengespräch richtet sich der Fokus nicht auf Differentialdiagnostik oder konkrete Behandlungsvorschläge, sondern auf das Erleben der Beziehung. Die Teilnehmenden äußern Assoziationen, Gefühle, innere Bilder und Gedanken, die durch den Fall ausgelöst wurden. Der Fallvortragende selbst tritt dabei zurück und hört zu.
Gerade diese Rollenverschiebung erweist sich als zentral:

Während die vorstellende Person zeitweise – im Erleben – die Perspektive des Patienten einnimmt, spiegelt die Gruppe in ihrer Vielfalt mögliche Resonanzen, Beziehungsmuster und emotionale Antworten wider. So entsteht ein mehrdimensionales Bild der Arzt-Patient-Dynamik, das sich im Alleingang kaum erschließen ließe.

Die Arbeit in Balintgruppen folgt keiner problemlösenden Logik.
Nicht das „richtige Vorgehen“ steht im Vordergrund, sondern das gemeinsame Verstehen.
Voraussetzung dafür ist eine Haltung von:

  • Offenheit und Neugier gegenüber eigenen inneren Reaktionen
  • Respekt gegenüber unterschiedlichen Wahrnehmungen
  • Zurückhaltung mit schnellen Deutungen oder Bewertungen

Emotionale Reaktionen wie Ärger, Hilflosigkeit, Nähe, Distanz oder Ohnmacht werden nicht als Störung, sondern als diagnostisch bedeutsame Hinweise verstanden. Die Gruppenleitung sorgt für Struktur, Sicherheit und einen geschützten Rahmen, ohne inhaltlich zu steuern oder Lösungen vorzugeben.