Psychosomatische Grundversorgung Kompaktseminar PGV Erlangen
Der Kompaktkurs Psychosomatische Grundversorgung wird vom Weiterbildungskreis Erlangen für Psychotherapie – WEP am Klinikum am Europakanal in Erlangen angeboten.
Zeit: Freitags 18:00 Uhr bis 21:30, samstags 9.30 Uhr bis 17.30 Uhr
Veranstaltungsort: Klinikum Am Europakanal, Am Europakanal 71, 91056 Erlangen, Haus A, Raum 147, keine Parkgebühren
Dauer: 4 Kurstage à 8 Doppelstunden, 4 Kurstage à 4 Doppelstunden, 1 Kurstag à 4 Doppelstunden
Anmeldung: über Weiterbildungskreis Erlangen Psychotherapie (WEP)
Hinweis: Der Kurs ist von der Landesärztekammer Bayern (BLÄK) anerkannt und zertifiziert! Falls Sie einer anderen Ärztekammer oder KV angehören, informieren Sie sich gerne dort.
Wenn Sie auf der Suche nach einer für Sie passenden Balintgruppe sind, sprechen Sie mich unverbindlich an!


Allgemeine Informationen zur Psychosomatischen Grundversorgung
20h Theorie
Einführung
Theoretische Grundlagen:
- Biopsychosoziale Krankheitslehre und Diagnostik psychischer Erkrankungen, Neurobiologische Aspekte, somatoforme- und Schmerzstörungen, Angst- und depressive Störungen, Belastungsreaktive Störungen, Umgang mit chronisch Kranken, Umgang mit Persönlichkeitsstörungen und Essstörungen.
- Bedeutung und Gestaltung der Patient-Arzt-Beziehung (unter Einbeziehen der verschiedenen Beziehungsmodi)
- Entspannungs- /Stressbewältigungstechniken
- Burn-Out / Selfcare
30h verbale Interventionstechniken
- Ärztliche Gesprächsführung (Kommunikation zwischen dem Arzt und seinem Patienten)
- Umgang mit Patienten mit spezifischen Interaktionsmustern
- Verbale Interventionen zum Erkennen und Behandeln wesentlicher Krankheitsbilder und Problembereiche
30h Balintgruppe
- Fortlaufende Balintgruppen finden in Scheßlitz, Erlangen und Nürnberg statt.
- Kompaktseminare veranstalten wir in Würgau.
EBM 35100 – Differentialdiagnostisches Gespräch
- Leistung: Ärztliches Gespräch zur Abklärung psychosomatischer Zusammenhänge
- Mindestdauer: 15 Minuten
- Häufigkeit: max. 2× pro Krankheitsfall
- Typische Indikationen:
- somatoforme Beschwerden
- unklare körperliche Symptome
- erste psychosomatische Einordnung
- Wichtige Grenze:
➜ keine fortlaufende Therapie, sondern diagnostisch-orientiert - Viele rechnen diese Ziffer zu „therapeutisch“ ab – das ist sie nicht. Es geht um Einordnung, nicht um Bearbeitung.
EBM 35110 – Psychosomatische Gesprächsbehandlung
- Leistung:
Verbale Intervention bei psychosomatischen Krankheitsbildern - Mindestdauer: 15 Minuten
- Häufigkeit:
- max. 3× pro Krankheitsfall
- nicht neben 35100 im selben Behandlungsfall
- Charakter:
Stützend, klärend, motivierend – keine Richtlinienpsychotherapie - 35110 ist keine „kleine Psychotherapie“.
- Sobald Zielkonfliktbearbeitung, Strukturarbeit oder Übertragungsfokus dominieren, bist du außerhalb der PGV.
Ergänzende Gesprächsziffern (je nach Fachgruppe)
EBM 03230 / 04230 / 05230 / 07230
(hausärztlich / fachärztlich je nach Kapitel)
- Leistung: Problemorientiertes ärztliches Gespräch
- Dauer: ≥ 10 Minuten
- Kombination: teilweise mit PGV-Ziffern möglich
Diese Ziffern sind oft realistischer als 35110, wenn das Gespräch zwar belastungsbezogen, aber nicht eindeutig psychosomatisch kodiert ist.
Diagnostische Voraussetzungen (absolut prüfrelevant)
ICD-10 mit F- oder Z-Bezug, z. B.
- F45.x (somatoforme Störungen)
- F32.x mit somatischem Fokus
- Z73, Z56, Z63 (Belastungsfaktoren)
1. Psychosomatische Gesprächsführung
Ärztinnen und Ärzte lernen, Gespräche so zu führen, dass neben Symptomen auch subjektives Erleben, Krankheitsvorstellungen, Belastungen und Beziehungsmuster sichtbar werden. Dabei geht es weniger um Technik als um Haltung, Präsenz und Wahrnehmungsfähigkeit.
2. Basiswissen zu psychosomatischen Krankheitsbildern
Vermittelt wird ein grundlegendes Verständnis häufiger psychosomatischer und somatoformer Beschwerdebilder, affektiver Störungen, Angst- und Belastungsreaktionen sowie deren somatische Ausdrucksformen.
3. Selbstreflexion und Beziehungskompetenz
Ein wesentlicher Bestandteil ist die Fähigkeit, die eigene Rolle, emotionale Reaktionen und Beziehungsgestaltung zu reflektieren. Hier bilden Balintgruppen einen zentralen Erfahrungsraum.
Die psychosomatische Perspektive entwickelte sich aus der klinischen Erfahrung, dass rein somatisch orientierte Behandlungsansätze vielen Patienten nicht gerecht werden. Frühere Konzepte einer strikten Trennung von „körperlich“ und „psychisch“ erwiesen sich als unzureichend.
Die Psychosomatische Grundversorgung ist daher kein Spezialfach, sondern Ausdruck eines integrativen medizinischen Selbstverständnisses, das biologische, psychische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Sie bildet eine Brücke zwischen somatischer Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie.
Die Psychosomatische Grundversorgung (PSGV) ist ein zentraler Bestandteil ärztlicher Tätigkeit in nahezu allen Fachrichtungen. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass körperliche Beschwerden, seelische Belastungen und soziale Lebensumstände in der medizinischen Realität selten voneinander zu trennen sind.
Ziel der psychosomatischen Grundversorgung ist es, Ärztinnen und Ärzte zu befähigen, diese Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen, angemessen zu berücksichtigen und in die Behandlung zu integrieren – ohne dass hierfür eine psychotherapeutische Weiterbildung erforderlich ist.
Im Zentrum steht nicht die Behandlung psychischer Erkrankungen im engeren Sinne, sondern die kompetente ärztliche Begleitung von Patientinnen und Patienten, bei denen psychische Faktoren Krankheitsentstehung, -verlauf oder -bewältigung maßgeblich beeinflussen.
Psychosomatische Grundversorgung bedeutet nicht, „psychotherapeutisch zu arbeiten“, sondern ärztlich verantwortlichmit psychischen Einflussfaktoren umzugehen.
Dazu gehört:
- seelische Belastungen anzusprechen, ohne sie zu pathologisieren
- Symptome ernst zu nehmen, ohne sie vorschnell zu somatisieren oder zu psychologisieren
- Unsicherheit, Ambivalenz und emotionale Reaktionen auszuhalten
- Indikationen für weiterführende Diagnostik oder Therapie zu erkennen
Die ärztliche Beziehung wird dabei nicht als Randphänomen verstanden, sondern als wirksames Element der Behandlung.
Die psychosomatische Grundversorgung ermöglicht:
- frühzeitiges Erkennen psychosozialer Einflussfaktoren
- Vermeidung unnötiger Diagnostik und Chronifizierung
- verbesserte Arzt-Patient-Beziehung
- höhere Behandlungszufriedenheit auf beiden Seiten
- Entlastung im Umgang mit „schwierigen“, unklaren oder langwierigen Verläufen
Sie stärkt damit nicht nur die Qualität der Versorgung, sondern auch die professionelle Selbstsicherheit der Ärztinnen und Ärzte.
