Balintgruppen in Erlangen und bei Bamberg

Ärztliche Beziehungen reflektieren – in der regelmäßigen Abendgruppe oder im Kompaktseminar auf Schloss Burgellern.

Abendgruppe Erlangen

Kontinuierliche Balintgruppe mit regelmäßigen Abendterminen.

Kompakte Balintgruppen im Schloss Burgellern

Seminarorte: Erlangen (Klinikum am Europakanal) und Schloss Burgellern (Nähe Bamberg)

Anerkennung: Deutsche Balintgesellschaft, Bayerische Landesärztekammer (BLÄK)

Nächste Termine: 18./19.09.2026 Schloss Burgellern, 29.09.2026 Erlangen

Welches Angebot passt zu Ihnen?

Sie möchten Balintarbeit regelmäßig in Ihren Berufsalltag integrieren oder sich dafür bewusst ein Wochenende Zeit nehmen? In Erlangen und auf Schloss Burgellern bei Bamberg stehen Ihnen zwei unterschiedliche Formate zur Verfügung. Und – eine Kombination aus beiden Varianten ist möglich.

Regelmäßige Balintgruppe in Erlangen

Kontinuierliche Reflexion im Berufsalltag

Die Abendgruppe am Klinikum am Europakanal bietet Raum, Begegnungen aus Ihrem ärztlichen Alltag regelmäßig aufzugreifen. Über mehrere Termine hinweg können Sie unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und Erfahrungen aus der Gruppe in Ihre weitere Arbeit einfließen lassen.

Dieses Format passt zu Ihnen, wenn Sie in der Region wohnen oder arbeiten und wiederkehrende Abendtermine gut einplanen können.

Termine und Teilnahme in Erlangen

Balint-Kompaktseminar auf Schloss Burgellern

Zeit für Reflexion – mit Abstand zum Alltag


Das Kompaktseminar bündelt mehrere Balintsitzungen an einem Wochenende. Schloss Burgellern bei Bamberg bietet dafür einen besonderen Rahmen: Zeit für die gemeinsame Arbeit, kollegialen Austausch und eine bewusste Unterbrechung des beruflichen Alltags.

Dieses Format passt zu Ihnen, wenn regelmäßige Abendtermine schwer einzurichten sind oder Sie auch eine weitere Anreise für ein zusammenhängendes Seminar einplanen möchten.

Termine und Anmeldung zum Kompaktseminar

Häufige Fragen

Sie können Ihre Teilnahme an der Abendgruppe in Erlangen und an den Kompaktseminaren auf Schloss Burgellern nach Absprache kombinieren. So lassen sich regelmäßige Abendtermine und zusammenhängende Seminartage auf Ihre berufliche und persönliche Planung abstimmen.

Wenn Sie die Teilnahme für eine bestimmte Qualifikation benötigen, stimmen Sie die Kombination bitte vorab mit uns ab. Entscheidend sind neben der Zahl der Doppelstunden auch der erforderliche Teilnahmezeitraum und die für Sie geltenden Anerkennungsbedingungen.

Ein Einstieg in die laufende Balintgruppe in Erlangen ist nach vorheriger Absprache möglich, sofern ein Platz frei ist. Für die Kompaktseminare auf Schloss Burgellern können Sie sich zu den ausgeschriebenen Terminen anmelden.

Die Teilnehmerzahl einer anerkennungsfähigen Balintgruppe darf zwölf Personen nicht überschreiten. Ein Einstieg beziehungsweise eine Teilnahme ist deshalb von den verfügbaren Plätzen abhängig. Ist Ihr gewünschter Termin bereits ausgebucht, sprechen Sie uns gerne auf einen späteren Termin an.

Wenn Sie die Balintarbeit für Ihre Weiterbildung oder eine KV-Abrechnungsgenehmigung benötigen, berücksichtigen Sie bei Ihrer Planung auch den erforderlichen Zeitraum zwischen Ihrer ersten und letzten Teilnahme.

Eine Doppelstunde Balintarbeit dauert 90 Minuten. Sie entspricht zwei Unterrichtseinheiten von jeweils 45 Minuten. Damit entsprechen 15 Doppelstunden insgesamt 30 Unterrichtseinheiten; 35 Doppelstunden entsprechen 70 Unterrichtseinheiten.

Das Musterkursbuch der Bundesärztekammer sieht 15 Doppelstunden Balintarbeit vor, verteilt über mindestens sechs Monate. Die erforderlichen Einheiten können deshalb nicht ausschließlich an einem einzelnen Wochenende absolviert werden.

Die Balintarbeit ist ein Bestandteil der psychosomatischen Grundversorgung. Hinzu kommen die Kursanteile zu theoretischen Grundlagen und ärztlicher Gesprächsführung.

Wenn Sie Balintarbeit für die Weiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie benötigen, richten sich Umfang und zeitliche Verteilung nach der für Sie geltenden Weiterbildungsordnung und den Vorgaben Ihrer Landesärztekammer.

Für die Facharztausbildung in Psychiatrie, Psychosomatik oder Kinder- und Jugendpsychiatrie benötigen Sie insgesamt 35 Doppelstunden. Blockveranstaltungen sind
anerkennungsfähig, wenn sich die gesamte Balintgruppenarbeit/interaktionsbezogene Fallarbeit über mindestens 12 Monate erstreckt und mindestens 2 Blöcke umfasst (Musterweiterbildungsordnung 2018).

Teilen Sie uns bei der Anmeldung Ihre Fachrichtung, die zuständige Ärztekammer und gegebenenfalls bereits absolvierte Balintstunden mit. Auf dieser Grundlage stimmen wir Ihre weitere Teilnahme mit Ihnen ab.

Das hängt davon ab, für welchen Nachweis Sie die Balintarbeit benötigen.

Für die KV-Abrechnungsgenehmigung nennt die Psychotherapie-Vereinbarung mindestens 15 Doppelstunden, regelmäßig verteilt über mindestens drei Monate (Psychotherapievereinbarung vom 01.01.2025, §7)

Für die Kurs-Weiterbildung Psychosomatische Grundversorgung nach dem Musterkursbuch der Bundesärztekammer sind ebenfalls 15 Doppelstunden vorgesehen, jedoch über mindestens sechs Monate.

Wenn Sie die Balintarbeit sowohl für Ihre Weiterbildung (PGV) als auch für eine spätere KV-Abrechnungsgenehmigung benötigen, planen Sie mindestens sechs Monate ein. Bei einer ausschließlich auf drei Monate angelegten Teilnahme klären Sie bitte vorab mit Ihrer zuständigen KV, ob Ihre konkreten Kursnachweise die Genehmigungsvoraussetzungen erfüllen.

Zusätzliche Seminartermine können Ihnen helfen, die erforderliche Zahl an Doppelstunden zu erreichen. Einen vorgeschriebenen Mindestzeitraum ersetzen sie jedoch nicht. Für Ihre Planung müssen daher sowohl der Gesamtumfang als auch die zeitliche Verteilung stimmen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Terminplanung. Nennen Sie uns Ihr Weiterbildungsziel, bereits absolvierte Doppelstunden einschließlich der Teilnahmezeiträume und Ihren gewünschten Abschlusszeitpunkt.

Kontakt: Teilnahme und Terminplanung anfragen

Leitung: Dr. Ulrich W. Kastner


Was Sie in einer Balintgruppe erwartet

Manche Begegnungen mit Patientinnen und Patienten beschäftigen uns über das Gespräch hinaus. Sie hinterlassen Fragen, lösen Ärger oder Unsicherheit aus – oder berühren uns auf unerwartete Weise.

Balintarbeit gibt diesen Erfahrungen Raum. Gemeinsam mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen betrachten Sie eine konkrete Begegnung aus verschiedenen Perspektiven. Im Mittelpunkt steht das Verstehen der Arzt-Patient-Beziehung und Ihrer eigenen Reaktionen. Daraus können neue Sichtweisen und mehr Klarheit für den beruflichen Alltag entstehen.

Reflexion ärztlicher Beziehungen – strukturiert, kollegial, wirksam

Die Balintgruppenarbeit ist ein etabliertes Verfahren der ärztlichen Fort- und Weiterbildung, das auf den ungarisch-britischen Psychoanalytiker und Arzt Michael Balint (1896–1970) zurückgeht. Ausgangspunkt seiner Arbeit war die Beobachtung, dass die medizinische Behandlung nicht allein durch Fachwissen und Technik bestimmt wird, sondern in hohem Maße durch die Qualität der Arzt-Patient-Beziehung.

Balint formulierte hierfür eine bis heute zentrale These:
„Das wichtigste Medikament für den Patienten ist der Arzt selbst.“
In den 1950er-Jahren entwickelte er in London ein gruppenbasiertes Arbeitsformat, das Ärztinnen und Ärzten helfen sollte, ihre emotionale Beteiligung, implizite Beziehungsmuster und psychodynamische Prozesse im klinischen Alltag besser zu verstehen. Heute sind Balintgruppen fester Bestandteil der ärztlichen Weiterbildung, insbesondere im Rahmen der Psychosomatischen Grundversorgung.


Eine Balintgruppe besteht in der Regel aus acht bis zwölf Ärztinnen und Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen. Geleitet wird sie von einer hierfür qualifizierten Leitung mit psychotherapeutischem Hintergrund.

Im Mittelpunkt steht der freie Fallbericht:
Ein Gruppenmitglied schildert einen Patientenfall aus der eigenen Praxis, der emotional nachwirkt, irritiert oder innerlich beschäftigt. Der Bericht erfolgt bewusst ohne Akten, Diagnoselisten oder theoretische Vorstrukturierung.

Im anschließenden Gruppengespräch richtet sich der Fokus nicht auf Differentialdiagnostik oder konkrete Behandlungsvorschläge, sondern auf das Erleben der Beziehung. Die Teilnehmenden äußern Assoziationen, Gefühle, innere Bilder und Gedanken, die durch den Fall ausgelöst wurden. Der Fallvortragende selbst tritt dabei zurück und hört zu.

Gerade diese Rollenverschiebung erweist sich als zentral:
Während die vorstellende Person zeitweise – im Erleben – die Perspektive des Patienten einnimmt, spiegelt die Gruppe in ihrer Vielfalt mögliche Resonanzen, Beziehungsmuster und emotionale Antworten wider. So entsteht ein mehrdimensionales Bild der Arzt-Patient-Dynamik, das sich im Alleingang kaum erschließen ließe.


Balintarbeit folgt keiner problemlösenden Logik.
Nicht das „richtige Vorgehen“ steht im Vordergrund, sondern das gemeinsame Verstehen.

Voraussetzung dafür ist eine Haltung von:

  • Offenheit und Neugier gegenüber eigenen inneren Reaktionen
  • Respekt gegenüber unterschiedlichen Wahrnehmungen
  • Zurückhaltung mit schnellen Deutungen oder Bewertungen

Emotionale Reaktionen wie Ärger, Hilflosigkeit, Nähe, Distanz oder Ohnmacht werden nicht als Störung, sondern als diagnostisch bedeutsame Hinweise verstanden. Die Gruppenleitung sorgt für Struktur, Sicherheit und einen geschützten Rahmen, ohne inhaltlich zu steuern oder Lösungen vorzugeben.


Die kontinuierliche Teilnahme an einer Balintgruppe fördert:

  • ein vertieftes Verständnis für psychosoziale und emotionale Dimensionen von Krankheit
  • Sensibilität für Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene
  • mehr Sicherheit im Umgang mit schwierigen oder belastenden Patientenkontakten
  • eine reflektierte ärztliche Rollenwahrnehmung
  • emotionale Entlastung und Prävention von Erschöpfung

Balintarbeit wirkt dabei nicht nur als Fortbildung, sondern auch als strukturierter Selbsterfahrungsprozess, der die therapeutische Beziehung nachhaltig stabilisieren kann – zum Nutzen von Patientinnen, Patienten und Behandelnden gleichermaßen.


Die Teilnahme an anerkannten Balintgruppen ist Voraussetzung für die Abrechnung der Psychosomatischen Grundversorgung als Kassenleistung. Darüber hinaus bieten Balintgruppen einen seltenen Raum im medizinischen Alltag:
einen Ort kollegialer Unterstützung, gemeinsamer Reflexion und professioneller Psychohygiene.

Neben der Ernsthaftigkeit der Themen haben hier auch Leichtigkeit, Humor und menschliche Nähe ihren Platz – nicht als Ablenkung, sondern als Teil eines lebendigen Lernprozesses.